Tor – Admin und das BKA

Wer heutzutage sich in Deutschland fuer Anonymitaet einsetzt, muss wohl damit rechnen, frueher oder spaeter mit dem BKA bekanntschaft zu machen. So erging es leider auch Karsten N, der den Tor-Server knuffel betreibt betrieben hat.

Diese Mail hat Karsten N heute ueber die Tor-Mailingliste geschickt:

Hallo,

ich bin einer von ca. 200 deutschen TOR-Admins (gewesen). Mein TOR-Server „knuffel“ ist seit gestern offline. Mein Mixmaster-Remailer wird nach kurzer Übergangsfrist den Betrieb einstellen.

Kurzer Abriß der Ereignisse:

Vor einem halben Jahr hatte ich das erste Mal Kontakt mit dem BKA Wiesbaden. Der Hoster meines Servers erhielt einen Brief vom BKA und kündigte daraufhin den Vertrag fristlos. Der Inhalt des Schreibens ist mir nicht bekannt, es soll sich um eine Anfrage gem. §113 TMG gehandelt haben. Dank der Intervention der Presse war der Server kurze Zeit später wieder online.

Vor einigen Monaten erhielt ich anonym den Hinweis, dass eine Telekommunikationsüberwachung gegen mich eingeleitet oder durchgeführt wurde und dass ich in bestimmten Datenbanken erfasst bin.

Seit mehreren Monaten bemühe ich mich um Aufklärung, was gegen mich vorliegt. Ich habe auch den Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit um Hilfe gebeten. Auskunfte aus dem Zentralen Staatsanwaltlichen Verfahrensregister wurden von der zuständigen Staatsanwaltschaft unter Hinweis auf §19 Absatz 6 Bundesdatenschutzgesetz verweigert.

Sinngemäß besagt dieser Paragraf, dass keine Auskünfte erteilt werden, wenn die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder gefärdet würde.

Wenn ich die Sicherheit des Bundes gefährde, bin ich also so etwas ähliches wie ein Terrorist. Die Konsequenzen der derzeitigen Anti-Terror-Gesetze möchte ich nicht selbst erfahren. Zum einen habe ich weitere Schritte eingeleitet, mehr über die erhobenen Vorwürfe zu erfahren und sie wenn möglich zu klären.

Weiterhin werde ich meine Aktivitäten rund um das Thema „Anonymität im Internet“ eingestellen.

Für Unterstützung jeglicher Art bin ich sehr dankbar.

Karsten N.

Sein groesstes Problem ist nun, einen Anwalt zu finden, der sich mit dieser Problematik auskennt.
Es bleibt hier zu hoffen, dass hier nicht einmal mehr der Sicherheitsstaat siegt, sondern das weiterhin jeder hierzulande fuer Anonymitaet einstehen darf.

Kai Raven berichtet ebenfalls in seinem Blog darueber.

19 Comments

  1. […] via daten-chaos.de “TOR Admin und das BKA” via blog.kairaven.de “Vom Tor und Mixmaster Admin zum […]

  2. konqui sagt:

    Moin,

    irgendwie erschließt sich mir jetzt nicht der Zusammenhang mit dem Tor Server und dem Verdacht. Oder habe ich da was überlesen?

  3. jochen sagt:

    Karsten N. ist der Betreiber dieses Tor-Servers.
    Sein Hoster hatte eine Auskunftsersuchung bezgl. dem Betreiber des Servers vom BKA bekommen.
    Nun versucht Karsten N. herauszufinden, was die Anfrage des KBA sollte. Beim KBA wird Ihm jedoch diese Auskunft verwehrt.
    So eine „verwehrung“ kommt eigentlich nur zum Zuge, wenn Gefahr fuer die BRD o.ae. gegeben ist.

  4. konqui sagt:

    ich hatte auch schon mal ne anfrage vom BKA wegen logs. Denen mitgeteilt das ich keine habe und gut war. Mal schauen ob das so bleibt 🙂

  5. jochen sagt:

    Nur das in diesem Fall ja der Hoster die Anfrage bekommen hatte.
    Kurrios ist hier auch das Schweigen.

  6. […] Kommt mir später bitte keiner mit “Dass konnte doch keiner ahnen“. […]

  7. […] Datenchaos Tags: Bad World | Admin | Aufklärung | überwachung | daten | datenschutz | deutschland | Gesetz | […]

  8. Tom sagt:

    Hi Karsten,
    meiner Meinung nach ist der anonyme Hinweis -oder eher die anonyme Drohung- mit der schwarzen Liste der ganz eindeutige Footprint einer „offenen Observation“. Das ist eine klassische Einschüchterungstaktik, bei welcher der „Observierte“ bemerken soll, dass „SIE“ hinter ihm her sind. Das sieht stark nach VS oder Staatschutz aus – und ist ein ziemlich eindeutiges Zeichen, dass sie nichts Reelles gegen dich in der Hand haben.
    Ich würde sogar soweit gehen, zu vermuten, dass 007s etwas weniger talentierte Kollegen mehr zu Ärger zu befürchten haben, als Du, wenn die Sache ans Licht kommt und Dich auf diese Weise davon abhalten wollen, Krach zu schlagen.
    Wenn Du wirklich in der „Terrordatei“ stehen würdest, wärest du der Letzte, dem sie das sagen würden – also dürfte wohl klar sein, was diese „Information“ bezwecken sollte. Psychoterror, aber auf „Derrick“-Niveau. Das man dir weis machen will, sie würden auch alles hören, was du am Telefon erzählst, oder per Mail schreibst, gehört auch dazu.
    IMHO haben die irgendwas gehörig verbockt und wollen das vertuschen. Sonst dürfen „Mr Holmes“ und „Dr. Watson“ womöglich zukünftig Parksünder aufschreiben,

  9. […] zu machen. So erging es leider auch Karsten N, der den Tor-Server knuffel betrieben hat … weiterlesen via: daten-chaos Mir fehlen einfach die Worte. Da mutiert ein unbescholtener Bürger zum […]

  10. Stefans Home sagt:

    TOR-Node = Sicherheitsrisiko für den Staat…

    Eine weitere TOR-Node schließt ihre Pforten… äh, Ports. Ließ sich das Schließen des Servers letztes Jahr noch durch Intervention der Presse verhindern (der Provider hatte nach einer Anfrage des BKA dem Servermieter gekündigt), gibt der Betreiber…

  11. […] man glaubt. Offenbar reicht es, einen Server für den Anonymisierungsdienst Tor zu betreiben und schon ist das BKA hinter einem her. In diesem Zusammenhang noch ein Tipp: Für mehr Spaß beim surfen einfach mal den User-Agent auf […]

  12. Wie schnell wird man Gefährder?…

    Nochmal was zum Gedankenspiel Gefährder ohne Prozess zu inhaftieren: Wie schnell wird man ein Gefährder. So wie es scheint schneller als man denkt. Dem BKA reicht es aus einen TOR-Server zu installieren und schon gilt man als Gefahr für die Sicher…

  13. […] daten-chaos.de berichtet, wurde einem Tor-Admin vor einem halben Jahr auf Geheiß des BKAs der Vertrag seitens des […]

  14. […] legal ist – eine Menge Ärger zukommen. Einen Eindruck davon vermittelt die folgende Mail, die vor zwei Tagen an die deutsche Tor-Mailingliste […]

  15. […] auch: # Tor-Admin und das BKA # Vom Tor MixmasterAdmin zum […]

  16. […] einen Spass daraus zu machen, dem Tor-Projekt Steine in den Weg legen zu wollen. Bestes Beispiel, Karsten N. mit seinem ehemaligen Tor-Server knuffel und das BKA. Post a comment — Trackback URI RSS 2.0 feed for these comments This entry (permalink) was […]

  17. Auch wir erhalten häufig Anfragen mit Auskunftsersuchen. Darin sehe ich jedoch keinen Grund, einem Kunden den Vertrag zu kündigen. Bei vielen Providern ist dies jedoch ein üblicher Weg um sich Ärger und Durchsuchung im Rechenzentrum zu ersparen. Häufig kommt das Auskunftsersuchen um einen Verantworltichen zu ermitteln, welcher dann mit einem Durchsuchungsbeschluss beglückt wird.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.