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Jagd auf Journalisten im Irak

Die USA brachten im Maerz 2003 die Pressefreiheit in den Irak – Den Berufsstand der Journalisten konnten sie aber nicht schuetzen.

Die USA brachten im Maerz 2003 die Pressefreiheit in den Irak. Doch den gezielt ins Visier genommenen Berufsstand der Journalisten koennen sie nicht schuetzen. Teilweise sind die irakischen Medien laengst selbst Konfliktpartei. Seit Maerz 2003 sind 200 Journalisten, Kameraleute und andere Mitarbeiter von Medien getoetet worden. Der Irakers Anwar Abbas Lafta, der als Uebersetzer fuer den US-Fernsehsender CBS arbeitete, war vergangene Woche der 200. Tote dieser erschreckenden Statistik. Anwar Abbas Lafta war davor entfuehrt worden, seine Leiche fand man 5 Tage spaeter.

Zwoelf tote Journalisten im Mai

Der Mai war der bisher blutigste Monat fuer Journalisten, mit zwoelf Toten. Mit Ausnahme eines russischen Fotografen, der durch eine Bombe umkam, handelte es sich um Iraker, alle gezielt als Opfer ausgesucht. Mehrere wurden entfuehrt und gefoltert, bevor sie getoetet und ihre Leichen auf die Strasse geworfen wurden.

Gezielte Gewalt

Die im Irak noch arbeitenden internationalen Medien, in so gut wie moeglich gesicherten Hotels platziert, greifen fuer ihre Recherchen laengst auf lokale Mitarbeiter zurueck, die ihnen die O-Toene und Bilder besorgen. Sehr oft handelt es sich dabei um Frauen – da die Opfer gezielter interkonfessioneller Gewalt in der Mehrzahl Maenner sind, gehen viele irakische Frauen lieber selbst aus dem Haus, fuer Erledigungen und zur Arbeit. Fuer Journalistinnen gilt jedoch die Geschlechtsregel nicht, am 3. April etwa, wurde Khamail Muhsin in Bagdad entfuehrt und zwei Tage spaeter mit Folterspuren tot aufgefunden.

US-kritische – Kanaele

Die Pressefreiheit ist einer der Punkte, die die USA noch immer als eine der Errungenschaften ihrer Invasion bezeichnen, und in der Tat, nach dem Fall Saddam Husseins begann sich in kuerzester Zeit eine lebhafte Medienlandschaft zu entwickeln, nicht zuletzt durch kraeftige US-Finanzierungshilfen. Das eigene, zu propagandalastige Koalitions-TV, das mit viel US-Geld und grossartigen Plaenen antrat, war wenig erfolgreich, die Iraker bevorzugten genuin arabische – US-kritische – Kanaele.

Und Zeitungen: Nach einem wahren Hype im Printbereich – mit bis zu 50 Tageszeitungen – setzte jedoch die selbstregulierende Kraft des Marktes bald ein, nur etwa die Haelfte der Publikationen ueberlebte. Auch ihre Seitenzahlen sind im Sinken begriffen, die meisten sind duenn.

Parteienpresse

Es gibt einige unabhaengige Zeitungen (Azzaman, Al-Sabah Al-Jadeed, die Wochenzeitung Al-Mada), die jedoch ungern Angaben darueber machen, wer sie finanziert. Ihre Mitarbeiter sind besonders gefaehrdet. Die typische Presse ist jedoch eine der Parteien und Gruppen – und traegt kraeftig zur Spaltung des Landes bei. Besonders schlimm steht es in dieser Beziehung mit Internet und Radiostationen, manche betreiben nicht Journalismus, sondern Hetze zum Aufstand oder zum Buergerkrieg.

Wobei in den Mainstream-Parteizeitungen die Anti-US-Propaganda ueberwiegt: Ein Artikel in der viel gelesenen Al-Bayyna (Wochenblatt der irakischen Hizbollah) fuehrt an, dass der Anschlag auf die Goldene Moschee in Samarra im Februar 2006 von den USA, und nicht von Sunniten, durchgefuehrt wurde. So sieht also nationale Versoehnung aus.

Das groesste Problem im Irak ist aber wohl, dass diejenigen, die im Irak Journalisten ermorden, leider weder von der Polizei noch von der Justiz etwas zu befuerchten haben.

One Trackback/Pingback

  1. hic et nunc auf F!XMBR on 03-Sep-07 at 22:59

    [...] Jagd auf Journalisten im Irak Enterhaken berichtet von der tatsächlichen Front, fernab unserer politischer Nichtigkeiten. [...]

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