8
Dez

Die Wikipida- und YouTube-Zensur in Großbritannien und der Türkei

categories Ausland, Chaos, Owl, Politik, Polizeistaat, Ueberwachung, Zeitgeschehen    

Arcor hatte es einst hier in Deutschland versucht, und war dann doch gescheitert.
Wer nun allerdings in Großbritannien wohnt, und z.B. auf die Metalband “The Scorpions” steht, und sich in der Wikipedia Informationen zum Album Virgin Killer erhofft, wird sicher etwas verdutzt aus der Waesche schauen. Grund Hierfuer ist, dass sowohl die Seite zum Album, welches aus dem Jahre 1976 stammt, als auch die Seite zum Coverbild auf den Index und die Blacklist der Internet Watch Foundation gesetzt wurde, die von den britischen Providern Virgin Media, Be/O2/Telefonica, EasyNet/UK Online, PlusNet, Demon und TalkTalk (Opal Telecom) übernommen wird.

Aber auch in der Türkei wird die Internetzensur immer schlimmer, wie die Tagesschau in einem heutigen Bericht schreibt. Bereits 2007 wurde wegen angeblicher Beleidigung des türkischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk die Internetseite YouTube auf Anordnung eines Gerichtes gesperrt. Vorwurf an YouTube: Neben Atatürk seien auch Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, Staatspräsident Abdullah Gül und die Armeeführung in YouTube-Videos beleidigt worden.
Das alles macht den Anschein, als das die türkischen Internet-Zensoren außer Kontrolle geraten: Richter haben in einem Jahr per Gerichtsbeschluss mehr als tausend Weinstube gesperrt!

Sowohl die Sperrungen in Großbritannien als auch in der Türkei seien zum Schutze und zur Bekämpfung von Kinderpornographie (oder Terrorismus) gedacht. Das hier Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erst kürzlich mit der Aussage überraschte, er selbst benutze YouTube, ist wohl ohne Bedeutung. Jeder wisse doch wie das ginge: “Ich tue es, tun Sie es doch auch.”
Hätte sich mit diesem Satz ein normaler Türkisch er Bürger geoutet, würde er nun wohl schon im Gefängnis sitzen. Aussicht auf einen fairen Gottesreiches: eher unwahrscheinlich.

2
Dez

Petition fuer Sayed Perwiz Kambachsch

categories Ausland, Menschenrechte, Owl, Zeitgeschehen    

Am 22. Januar 2008 wurde der 23-Jaehrige Journalistik-Student Sayed Perwiz Kambachsch zum Tode verurteilt. Die Todesstrafe wurde am 21. Oktober 2008 durch ein Berufungsgericht in Kabul in eine 20-jährige Gefängnisstrafe umgewandelt.
Zuvor hatte ein Gericht in Masar-i Scharif den Studenten hinter verschlossenen Tueren in einem Schnellverfahren zu Tode verurteilt.

Kambachsch, der neben seinem Studium als Reporter für die Tageszeitung „Jahan-e-Naw“ („The New World“) arbeitete, war am 27. Oktober 2007 festgenommen und der Blasphemie sowie der Verleumdung des Islams beschuldigt worden. Das Berufungsgericht hat an dieser Anklage festgehalten, obwohl die afghanische Verfassung die Pressefreiheit garantiert.

Es wurde eine Petition eingerichtet, die sich fuer die Freilassung des 23-Jaehrigen Studenten an den afghanischen Praesidenten richtet:

9b09338e55Sehr geehrter Herr Präsident,

ich möchte Sie gerne auf Sidnay Perwiz Kambachsch hinweisen, einen Studenten und Journalisten, der am 27. Oktober 2007 verhaftet und am 21. Oktober 2008 zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Nach unserem Wissen hat er lediglich einen Artikel aus dem Internet heruntergeladen – in Übereinstimmung mit dem Recht auf Meinungsfreiheit, das in der afghanischen Verfassung festgeschrieben ist. Kambachsch wurde zudem ohne rechtmäßige Verteidigung verurteilt.

Im Hinblick auf die Dringlichkeit der Situation bitte ich Sie, Ihre Regierung aufzufordern, das Urteil aufzuheben, die Anklagen gegen Kambachsch fallen und den Journalisten frei zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Petition is hier zu finden: http://www.rsf.org/article.php3?id_article=25199

8
Feb

Türkei, ähm ja…

categories Ausland, Politik    

Wir erinnern uns: Etliche Monate schaute Deutschland gespannt in die Türkei. Der Fall Mario erregte grosses aufsehen. Wenn ich mich recht erinnere, wurden Deutsche Journalisten aus dem Gericht ausgeschlossen, konnten nur vermindert Berichten.

Nun vor einigen Tagen der Fall in Ludwigshafen. 9 Tote. Alles Türken. Sofort wird geschrien: Nazis. Scheiss Deutsche. Im 2. Weltkrieg die Juden, nun die Türken.

Nun lese ich gerade auf Spiegel-Online: Erdogan fordert türkische Gymnasien und Universitäten in Deutschland

Ich kann hier einfach nur dem Kopf schuetteln. Zum einen sollen wir Deutschen, sobald etwa in richtung Türkei passiert, immer die bösen Nazis sein.
Wird aber ein Deutscher wo festgehalten, sollen wir brav das Maul halten.
Aber man darf hier dann sogar einen Feuerwehrmann verprügeln.

Ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis ich für diese Meinung ein “Du scheiss Nazischwein” zu hören bekomme….

12
Sep

Fackellauf fuer Menschenrechte in China

categories Ausland, Geheimdienst, Menschenrechte, Owl, Ueberwachung, Zeitgeschehen, Zensur    

Gestern, Dienstag, kam der Fackellauf fuer Menschenrechte in China in Wien, Oesterreich, an. Nach Timisoara in Rumaenien ist Wien die sechste von weltweit mehr als 100 Staedten. Innerhalb eines Jahres vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking soll der Fackellauf in 25 Laendern auf fuenf Kontinenten stattfinden.

Wien Fackel

Bereits am 25. August, um 11 Uhr war der Fackellauf fuer Menschenrechte im Olympiapark in Muenchen. Der Fackellauf war am 9. August in Athen gestartet. Der Fackellauf ruft zum Boykott der Olympischen Spiele in Peking auf.
Kinderarbeit, Vertreibung, Verfolgung und Ermordung von Journalisten und schlimme Umweltverschmutzung sind in China allgegenwaertig. Viele Menschenrechtsgruppen sind der Meinung , dass man die chinesische Regierung unter Druck setzten sollte, damit sie an den untragbaren Zustaenden etwas aendert. Durch den Fackellauf, der ein ganzes Jahr dauern soll, hoffen die Organisatoren ein Zeichen zu setzen und die Oeffentlichkeit auf die Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen.

1
Sep

Jagd auf Journalisten im Irak

categories Ausland, Owl, Politik    

Die USA brachten im Maerz 2003 die Pressefreiheit in den Irak – Den Berufsstand der Journalisten konnten sie aber nicht schuetzen.

Die USA brachten im Maerz 2003 die Pressefreiheit in den Irak. Doch den gezielt ins Visier genommenen Berufsstand der Journalisten koennen sie nicht schuetzen. Teilweise sind die irakischen Medien laengst selbst Konfliktpartei. Seit Maerz 2003 sind 200 Journalisten, Kameraleute und andere Mitarbeiter von Medien getoetet worden. Der Irakers Anwar Abbas Lafta, der als Uebersetzer fuer den US-Fernsehsender CBS arbeitete, war vergangene Woche der 200. Tote dieser erschreckenden Statistik. Anwar Abbas Lafta war davor entfuehrt worden, seine Leiche fand man 5 Tage spaeter.

Zwoelf tote Journalisten im Mai

Der Mai war der bisher blutigste Monat fuer Journalisten, mit zwoelf Toten. Mit Ausnahme eines russischen Fotografen, der durch eine Bombe umkam, handelte es sich um Iraker, alle gezielt als Opfer ausgesucht. Mehrere wurden entfuehrt und gefoltert, bevor sie getoetet und ihre Leichen auf die Strasse geworfen wurden.

Gezielte Gewalt

Die im Irak noch arbeitenden internationalen Medien, in so gut wie moeglich gesicherten Hotels platziert, greifen fuer ihre Recherchen laengst auf lokale Mitarbeiter zurueck, die ihnen die O-Toene und Bilder besorgen. Sehr oft handelt es sich dabei um Frauen – da die Opfer gezielter interkonfessioneller Gewalt in der Mehrzahl Maenner sind, gehen viele irakische Frauen lieber selbst aus dem Haus, fuer Erledigungen und zur Arbeit. Fuer Journalistinnen gilt jedoch die Geschlechtsregel nicht, am 3. April etwa, wurde Khamail Muhsin in Bagdad entfuehrt und zwei Tage spaeter mit Folterspuren tot aufgefunden.

US-kritische – Kanaele

Die Pressefreiheit ist einer der Punkte, die die USA noch immer als eine der Errungenschaften ihrer Invasion bezeichnen, und in der Tat, nach dem Fall Saddam Husseins begann sich in kuerzester Zeit eine lebhafte Medienlandschaft zu entwickeln, nicht zuletzt durch kraeftige US-Finanzierungshilfen. Das eigene, zu propagandalastige Koalitions-TV, das mit viel US-Geld und grossartigen Plaenen antrat, war wenig erfolgreich, die Iraker bevorzugten genuin arabische – US-kritische – Kanaele.

Und Zeitungen: Nach einem wahren Hype im Printbereich – mit bis zu 50 Tageszeitungen – setzte jedoch die selbstregulierende Kraft des Marktes bald ein, nur etwa die Haelfte der Publikationen ueberlebte. Auch ihre Seitenzahlen sind im Sinken begriffen, die meisten sind duenn.

Parteienpresse

Es gibt einige unabhaengige Zeitungen (Azzaman, Al-Sabah Al-Jadeed, die Wochenzeitung Al-Mada), die jedoch ungern Angaben darueber machen, wer sie finanziert. Ihre Mitarbeiter sind besonders gefaehrdet. Die typische Presse ist jedoch eine der Parteien und Gruppen – und traegt kraeftig zur Spaltung des Landes bei. Besonders schlimm steht es in dieser Beziehung mit Internet und Radiostationen, manche betreiben nicht Journalismus, sondern Hetze zum Aufstand oder zum Buergerkrieg.

Wobei in den Mainstream-Parteizeitungen die Anti-US-Propaganda ueberwiegt: Ein Artikel in der viel gelesenen Al-Bayyna (Wochenblatt der irakischen Hizbollah) fuehrt an, dass der Anschlag auf die Goldene Moschee in Samarra im Februar 2006 von den USA, und nicht von Sunniten, durchgefuehrt wurde. So sieht also nationale Versoehnung aus.

Das groesste Problem im Irak ist aber wohl, dass diejenigen, die im Irak Journalisten ermorden, leider weder von der Polizei noch von der Justiz etwas zu befuerchten haben.